Unser Schulalltag

Der Tag der Nepalis beginnt früh, um 6 Uhr werde ich davon wach, dass vor unserem Fenster die Busse und Lkw anfangen zu hupen, unsere Gastmutter das Haus fegt und die gesamte Familie laut stark auf den Boden rotzt (kein Scherz). Zum Glück kann ich noch weiter schlafen. Um 8:30 Uhr klingelt dann der Wecker. Die größte Herausforderung des Tages steht an: das warme Bett verlassen und raus in die Kälte. Wenn ich mich endlich überwunden habe ziehe ich mich warm an und gehe mit meiner Zahnbürste bewaffnet raus in die Kälte. Während ich mit dem eiskalten Wasser meine Zähne putze werfe ich einen Blick auf die Berge, die meistens noch vom Nebel verdeckt sind. Wieder drinnen gibt es Tee und Manasi und ich stellen uns der schwierigsten Frage des Tages: Was ziehen wir heute an? Da wir beide nur wenig Sachen mithaben, fällt die Wahl meistens auf den einzigen warmen Pulli und die einzige Jeans die wir mitgenommen haben.Um 9:15 Uhr gibt es dann Reis mit Kartoffeln, danach machen wir uns auf den Schulweg.

Unser Frühstück

Wir laufen durch das gesamte Dorf und am Fluss entlang und erreichen nach 10 Minuten die Schule. Auf dem Weg treffen wir schon zahlreiche Schüler*innen in der blauen Schuluniform die uns mit „Good Morning Teacher“ begrüßen.

An der Schule kommen wir gerade rechtzeitig zum Morning Assembly: alle Schüler*innen stehen in Reihen auf dem Schulhof, machen ein paar Aufwärmübungen und singen dann voller Stolz die Nationalhymne. Anschließend gibt es ein paar Quizfragen wie: Was ist die größte Stadt der Welt? Und wer die Frage beantworten kann, bekommt ein Bonbon. Um 10 Uhr klingelt es zur ersten Stunde und alle gehen zum Unterricht.

Morning Assambly

Die erste Stunde ist bei uns in der 7. Klasse. In dem Klassenzimmer ist es sehr kalt, weil der Unterricht im Rohbau stattfindet und der kalte Wind vom Trisuli Fluss direkt durch die offenen Fenster und Türen weht. Weiter geht der Unterricht in der 10. und danach in der 8. Klasse. Während dieser ersten Stunden verziehen sich der Nebel und die Wolken langsam, bis die Sonne die grünen Berge um uns herum und die Schneebedeckten Gipfel in der Ferne anstrahlt.

Die 7.Klasse

Nach der 5. Stunde ist Mittagspause. Die Kinder des Kindergartens und der Vorschule bekommen in der Kantine eine kleine Portion Nudeln oder Reis, die älteren Schüler*innen setzen sich auf den Schulhof und teilen das Essen was sie von zu Hause mitgebracht haben oder gehen in die Kantine. Wir essen entweder mit den Lehrer*innen im 1.Stock der Schule wo es meistens Reisflocken mit Curry oder Milchreis und Kartoffeln gibt. Oder wir gehen in die Kantine um Chowmein (Chinanudeln) oder Chop (frittierte Kartoffeln) zu essen. Freitags ist der beste Tag: da gibt es Doughnuts und Tee.

Mittagspause

Nach der Pause haben wir noch 2 Freistunden in denen wir meistens draußen die Sonne genießen. Da es keine Heizungen gibt ist das die einzige Möglichkeit sich richtig aufzuwärmen. Manchmal kommt ein Erdnussverkäufer mit seinem Fahrrad an der Schule vorbei und verkauft uns über den Zaun für 50 Rupies ( ca. 40 Cent) Erdnüsse. Aus dem ersten Stock der Schule hört man wie die Sanskrit Schüler der Schule Mantras lernen. Einige Straßenhunde kommen und suchen den Schulhof nach Resten des Mittagessens ab. Außerdem kommt jeden Nachmittag eine alte Frau aus dem Dorf mit ihren Ziegen und lässt sie auf dem Schulhof grasen.

In der letzten Stunde gehen wir zur 6. Klasse. Die ist ziemlich frech und in der 8. Stunde natürlich unkonzentriert. Wir versuchen unser bestes trotzdem Unterricht zu machen und wenn alle gut mitmachen gibt es keine Hausaufgaben (was die Schüler*innen von den anderen Lehrer*innen gar nicht kennen) und deshalb klappt es auch immer besser. An manchen Tagen spielen wir auch draußen, zum Beispiel Staffellauf mit Vokabelabfrage.

Um 15.45 Uhr klingelt die Glocke und alle versammeln sich zum Evening Assambly. Dann machen wir uns zusammen mit ein paar Schüler*innen auf den Weg nach Hause. Auf dem Weg durchs Dorf kommen wir bei unserem Lieblingsladen vorbei und kaufen manchmal ein paar Snacks wie Instantnudeln oder Choco Pie, die Verkäuferin freut sich immer sehr wenn wir kommen und sagt jedes Mal „Bis morgen“ , damit wir auch ja wieder zu ihr kommen.

Unser Schulweg

Zuhause angekommen gibt es erstmal Tee und Kekse von unserer Gastfamilie und wir verbringen den Rest des Nachmittags ganz entspannt auf unseren Betten und warten aufs Essen. Um 19 Uhr ist es dann endlich so weit und es gibt wieder Reis. Nach dem Essen fallen wir beide ins Foodkoma von den ganzen Kohlehydraten und schaffen es nur noch uns frierend ins Bett zu legen und eine Serie zu schauen. Leider muss man dann aber nochmal aufstehen und raus in die eiskalte Nacht um sich die Zähne zu putzen. Währenddessen hüpfen wir im Schein unserer Taschenlampe auf und ab um nicht ganz zu erfrieren. Wenn das dann geschafft ist kommt endlich der beste Teil des Tages: sich mit 2 Pullis und 3 Paar Socken ins Bett unter die Decke und den Schlafsack zu legen und warten das einem endlich warm wird. Wenn man Glück hat funktioniert dann auch das Internet besser ab 22 Uhr. Und so verbringen wir unsere Tage im wunderschönen Nepal.

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